Obstwiese Böckelmannshof

Auf der Obstwiese des Böckelmannhofes entstand Anfang der 70-er Jahre die heutige Wohnbebauung am Herdicker Kamp. Zuvor war schon der Bereich nördlich der Alten Kreisstraße bebaut worden, im Volksmund liebevoll „Millionenhügel“ genannt. Wenn man über die Wulfesweide schlendert, weiß man warum. Die dörfliche Struktur, die bis dahin landwirtschaftlich und handwerklich geprägt war, wandelte sich. Strickherdicke wurde „Schlafdorf“ und Naherholungsraum für das westliche gelegene Ruhrgebiet. Hatte Malermeister Karl Heinz Nolte noch wenige Jahre zuvor das seiner Meinung nach letzte Pferd in Strickherdicke fotografiert, um seiner Enkelin später mal zu zeigen, wie Pferde aussehen, gibt es heute in Strickherdicke fast so viele Pferde, wie Kinder. Reiter aus nah und fern stellen ihre Pferde auf den zahlreichen Reiterhöfen unter.

1955 war die Asphaltierung der Kuhstraße ein wichtiges Ereignis, das von vielen Dorfgrößen“ und der örtlichen Presse entsprechend gewürdigt wurde. Strickherdicke hatte jetzt einen „inneren Verkehrsring“ rund um die Böckelmannsche Obstwiese.

Niegedacht MGV

Am 12.6.1882 wurde in Strickherdicke der Männergesangverein „Niegedacht“ gegründet und 40 Männer des Ortes erklärten per Unterschrift ihren Beitritt.
Überrascht über das große Interesse formulierte der Versammlungsleiter folgenden Ausspruch: „Das hätte ich nie gedacht, dass sich in Strickherdicke so viele Männer für diese Sache interessieren“. Darauf wurde bei der Bestimmung des Vereinsnamens das Wort „Niegedacht“ mit einbezogen und der neue Verein „Niegedacht Strickherdicke“ benannt. Als Dirigent konnte Herr F.W. Fergen aus Dahlhausen gewonnen werden. Der erste Vorstand setzte sich folgendermaßen zusammen:

Erster Vorstand: H. Dellwig

Zweiter Vorstand: Gosebruch sen.

Erster Schriftführer: G. Stein und

zweiter Schriftführer: H. Stockebrand.

Ab 1892 wurde der Lehrer Friedrich Petersmann Chorleiter.
Der Verein gehörte seit seiner Gründung mit zum dörflichen Leben und bescherte, nicht nur den Mitgliedern, viele schöne Stunden. Freude und Frohsinn gehörte ebenso zu den wöchentlichen Übungsabenden, die, wie bei den Turnern, im Anbau des Gasthofes Stein stattfanden.

!978 wurde aus dem reinen Männerchor ein gemischter Chor, der schon bald beachtliche Leistungen zeigte.

Ein Gesangverein mit einer derartig langen Tradition hat natürlich das kulturelle Leben der ganzen Region kräftig mit geprägt. Alle Jubiläen wurden intensiv gefeiert, man nahm an Musik- und Gesangwettbewerben in Nah und Fern teil und errang natürlich auch zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

Einige Zeit nach dem 100jährigen Jubiläum im Jahr 1992 löste sich der Gesangverein auf. Die Gründungsfahne fand ihre neue Heimat im Bürgerhaus Strickherdicke und nach Auflösung des Bürgerhausvereins in der Heimatstube Fröndenberg.

Der Name Strichirreke

Acht Kilometer südlich von Unna erstreckt sich die Friedrich Wilhelmshöhe, das ist ein Teil des Haarstrangs mit guter Fernsicht nach Norden in die Münsterländische Bucht und das östliche Ruhrgebiet sowie nach Süden in das waldreiche Sauerland. An diesen Hängen diese Haarstrangs liegt Strickherdicke, heute ein Ortsteil von Fröndenberg. Auf der nördlichen Seite des Haarstrangs – Richtung Unna – erstreckt sich Strickherdicke bis etwa zum Wasserwerk, nach Süden – Richtung Ruhr – etwa 2,5 Kilometer bis zum Ortseingang von Langschede. Die gesamte Region war vormals ein uralter dörflicher und kleinstädtischer Siedlungsraum, in dem man Landwirtschaft, Handel und handwerkliches Kleingewerbe betrieb. Das änderte sich dann ab 1800 mit Beginn der Industrialisierung des Ruhrgebiets, die sich bis in unsere Region hin auswirkte. “1250 erscheint der Name Strichirreke. Da mundartlich Strich = Striek bedeutet, ist der heutige Name mit dieser Version fast identisch. Die Bauernschaft wird nach Meinung des Frömerner Pfarrers und Historikers J.D. von Steinen 1755 deshalb so genannt, weil die angesiedelten Höfe sich eine halbe Stunde Wegs entlang der Wegführung Dellwig (Kirchweg) und Kessebüren (Loerweg) befanden. Herreke oder Herrike wird nach alter Unterlagendeutung als eine am Wald sich hinziehende längliche Ansiedlung (am Kamm des Haarstrangs )bezeichnet.“ Strickherdicke, wie auch die umliegenden Dorfschaften, war damals Lehen des Essener Klosters Werden und wurden verwaltet vom dazugehörigen Kloster Clarenberg, im heutigen Hörde. Ab 1225 gehörten allerdings eine Reihe Höfe durch Besitzüberschreibungen zum neu gegründeten Kloster Fröndenberg. Vielleicht rührt daher auch die Teilung Strickherdickes in das Oberdorf und das Unterdorf, eine Einteilung, die sich bis heute erhalten hat.

Freiwillige Feuerwehr Gründung

Am 22.11.1908 gründeten 34 Bürger aus Strickherdicke ihre“ freiwillige Feuerwehr. Zu den Gründervätern gehörten die Strickherdicker K. Ernst, F. Nolte, G. Fülbeck, W. Schwung, A. Hunke, A. Holtheuer, K. Kauke, K. Kötter, K. Pieper und andere mehr, Familiennamen, die es noch heute in Strickherdicke gibt. Im Dorfgasthof beredeten und bestimmten die 34, was für eine Feuerwehrgruppe wichtig war, z.B. die von der Regierung empfohlenen Statuten, um auch überörtlich eine gewisse Gleichheit zu erreichen. Als allgemeines Motto der Feuerwehr galt der Satz Einer für alle, alle für einen. Für die erforderlichen Organisationsaufgaben und Arbeitsteilungen wurden entsprechende Personen durch Wahl ermittelt. Die Versammlung bestimmte so folgenden Vorstand:

Karl Ernst, 1. Brandmeister, Wilh. Fischer, stellv. Brandmeister,

Heinrich Ernst, Gerätewart

August Holtheuer, Führer der Wassermannschaften,

Christian Knoche, Schriftführer

Karl Kauke, Kassenwart und Heinrich Rinke wurde Beisitzer.

Bei der „Westfälischen Turn- und Feuerwehrgerätefabrik“ H. Meyer wurde eine erste Ausrüstung gekauft, und zwar im Werte von 510,10 Reichsmark.

Der allgemeine Übungsbetrieb wurde am 16.05.09 aufgenommen.
Damals unterschied man noch zwischen den Feuerwehrleuten, die auf Leitern kletterten und denen, die die Wasserschläuche ausrollten.
Auf dem Bild sieht man die Brüder Karl und Fritz Nolte in „Steiger-“ bzw. „Wassertrupp“-Uniformen. An der Schule erstellte man zunächst 1909 einen begehbaren Holzturm, der eine gute Rundumsicht ermöglichte und mit dem Geläut seiner Glocke die Wehrmänner zum Einsatz rief. Bis es ein eigenes Spritzenhaus gab, vergingen noch viele Jahre. Am 3. Juli 1931 wurde der Bau, den man weitgehend in Eigenleistung errichtete und der stolze 2600 Reichsmark kostete, feierlich eingeweiht. Dieses erste Gerätehaus lag an der Ecke Alte Kreisstraße / Alter Weg in Strickherdicke. Das heutige, neue Gerätehaus, neben dem ehemaligen Kindergarten, wurde schließlich am 1.9.1979 eingeweiht. Von dem alten Spritzenhaus ist nichts mehr zu sehen, die alte Schlauchkarre gibt es noch, und man kann sie bei Umzügen bewundern.

1958 feierte man das 50jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr mit einem großen Festumzug. Von Hof Schwake ging es, nach einer Kranzniederlegung am Ehrenmal für die gefallenen und verstorbenen Kameraden, zum Oberdorf, zur Landwehr und zur Gaststätte Knieper auf der Wilhelmshöhe. Abordnungen anderer Wehren und Spielmannszüge nebst zahlreichen Kutschen vervollständigten den Festzug. Im September 1983 wurde dann das 75jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr groß gefeiert.

Deutscher Meister

Ein Deutscher Meister aus Strickherdicke? Das gab es tatsächlich im Jahr 1968.

Dass Fröndenberg eine langjährige Rennsporttradition hat, wissen die meisten Fröndenberger. Namen wie Detlev, Erik und Rick Zabel u.a. fallen einem sofort ein. Aber wer kennt noch Hans J. Wulf? Über den Fußball und die Leichtathletik kam Hans Wulf 1963 erst mit 18 Jahren nach dem Besuch eines Sechs-Tage-Rennens zum Radsport. Für 500 DM kaufte er sein erstes Rennrad und mischte ziemlich schnell die „Amateurszene“ auf. Er trat dem „Sturmvogel Altenbögge“ bei. Ein Jahr später wechselte er zum Radsportclub Fröndenberg, für den er 1965 einen Deutschen Vizemeister-Titel holte. Dann ging es zum Polizeisportverein Köln, die damalige Nummer 1 im Amateurbereich. Hans Wulf, wie eigentlich immer vorne weg. 1968 wurde er letztendlich sogar Deutscher Meister im Bergfahren. Ein Jahr später musste der Titel verteidigt werden. Wulf wurde in seinem letzten Rennen Dritter. Aber an das Lob von Franz Joseph Strauß:Herr Wulf, so gut wie Sie war ich nie! (FJS) erinnert sich Hans Wulf noch heute gerne. Was viele Bürger unseres Landes nicht wissen, Strauß selbst war 1934 süddeutscher Jugendmeister im Radsport.

Und von nun an hieß es lernen. Hans Wulf hörte auf seinen Vater und besuchte fortan die Meisterschule für Werkzeugmacher.

Schule 1956

Am 21.4.1956 wurde in Strickherdicke die neue Schule eingeweiht. Das alte Schulgebäude von 1891 in unmittelbarer Nähe der Bundesstraße entsprach schon lange nicht mehr den Anforderungen der neuen Zeit. 70 Kinder wurden hier von zwei Lehrkräften – teilweise in Schichtunterricht – unterrichtet. Betrieben wurde der Neubau der Schule vom Regierungspräsidenten Hubert Biernat, der ja bekanntermaßen in Strickherdicke wohnte, vom Bürgermeister Windgätter und den Gemeindevertretern W. Hunke, H. Müller, K. Ernst, W. Veuhoff und W. Börsting. Die Bauleitung hatte der Dipl. Ing. Brunne aus Hemmerde. Da die Gemeinde keine eigenen Grundstücke besaß, wurde ein geeignetes Baugrundstück von Frau Berkenhoff erworben, an der Alten Kreisstraße gegenüber dem heutigen Hof von Schoof-Staupe.

Die Gesamtkosten beliefen sich damals auf 244.000 DM. Ein Drittel musste die Gemeinde selbst aufbringen, der Rest wurde durch diverse Zuschüsse gedeckt. Darin enthalten waren auch 30.344 DM Eigenleistungen der Gemeinde.

1955 wurden Grundsteinlegung und Richtfest gemeinsam gefeiert und nach nur 16 Monaten Bauzeit folgte im April 1956 die feierliche Einweihung. Die kurze Bauzeit blieb aber nicht ohne Folgen. Im Tagebuch der Schule wird von zahlreichen Baumängeln berichtet: Heizungsversagen, Undichtigkeiten an Wänden und dem Dach, Feuchtigkeitsprobleme und Einiges mehr. Aber die beiden Lehrkräfte und die 56 Kinder freuten sich über den Unterricht in der neuen Schule. Betrug 1950 die Zahl der Schülerinnen und Schüler noch 94, so war sie 1956 durch den Fortzug von Flüchtlingsfamilien und auf Grund des kriegsbedingten Rückgangs der Geburtenzahl entsprechend stark gesunken.

Im Juli 1967 findet sich der letzte Eintrag im Schultagebuch.

Der ab 01.01.68 per Gesetz bestimmte Zusammenschluss der amtsangehörigen Gemeinden zur “Stadt Fröndenberg”, brachte für Strickherdicke nach 75 Jahren Eigenständigkeit auch das Ende des dörflichen Schulbetriebes.

Der Schulbau erhielt eine neue Nutzung.

Die freiwerdende, noch neue Schule fand nach einem Umbau, sowie dem Bau eines großen Spielplatzes, als Kindergarten Verwendung, der hier bis 1984 Bestand hatte. Da die meisten Kinder aus Ardey kamen, fand aus diesem Grund 1984 eine Verlegung in die Gebäude der ebenfalls ungenutzten Ardeyer Schule statt.

Die freiwillige Feuerwehr Strickherdicke blieb selbstverständlich weiterhin

in ihren Räumen.

Nach der Verlegung des Kindergartens bekam das „neue“ Schulgebäude erneut neue Nutzer. Der obere Teil wurde Wohnraum, der untere Teil wurde Bürgerhaus für Strickherdicke, getragen von einem Förderverein „Bürgerhaus Strickherdicke“ und es wurde Heimat für zahlreiche Vereine, Gruppen, Versammlungen, private Feiern und Kurse.

Aber das war immer noch nicht die letzte Nutzung. Seit 2015 wurde das ehemalige Bürgerhaus Heimat für zahlreiche Flüchtlinge aus dem Nahen Osten. Mit einer kurzen Unterbrechung ist das bis heute so.

Strickherdicke 1892

Die Anfänge eines allgemeinen Schulwesens liegen in der Zeit der Reformation. In Preußen wurde die allgemeine Schulpflicht 1717 von König Friedrich Wilhelm I eingeführt. Diese Aufgaben übernahmen damals die Kirchspielschulen, so auch seit dem 18 Jahrhundert die Kirchspielschule Dellwig. 1891 erhielt Strickherdicke seine eigene Schule an der heutigen B233. Sie wurde anfangs noch eine Zeit lang als Dependance der Dellwiger Schule geführt. Der Schulbetrieb begann am 4. Januar 1892 mit 63 Kindern in „einer“ Klasse. Erster Lehrer war Lehrer Petersmann, der auch die Verwaltungsaufgaben übernahm. Die Schulaufsicht lag damals noch bei der Kirche. Die Strickherdicker Schule gehörte zum Bezirk des Kreisschulinspektors Pastor Bornscheuer und des Lokalschulinspektors Pastor Lange, beide aus Dellwig. Zum Schulvorstand gehörten anfangs Grundbesitzer aus Dellwig und Altendorf und aus Strickherdicke der Grundbesitzer Heßmer. Der Einzugsbereich der Schule umfasste das eigentliche Dorf Strickherdicke, die Wilhelmshöhe, ein Teil der Landwehr und der Thabrauck. Bis in die 1920er Jahre hatten Sommer- und Herbstferien jeweils eine Länge von zwei Wochen. Die Schülerinnen und Schüler waren ja schließlich in die Erntearbeiten und in das Viehhüten auf den elterlichen Höfen eingebunden. Die ersten vier Jahrgänge wurden vormittags, die älteren Jahrgänge nachmittags unterrichtet. Für alle Jahrgänge stand nur eine Lehrkraft zur Verfügung. Bestand an der heutigen B 233 hatte die Schule bis zur Mitte der 1950er Jahre. Klassenfotos aus dieser Zeit gibt es einige. Ein Bild von der alten Schule leider nicht, jedenfalls keins, das man abfotografieren darf.

Strickherdicke 1901

Bis um 800 herum führte der Zimmermann auch alle Tischlerarbeiten aus. Erst um diese Zeit erwähnten alte Urkunden den Namen „schreyner“. Anfangs noch eng mit dem Zimmerhandwerk verbunden, spaltete sich zunächst das Gewerbe der Kistler ab. Die ältesten überlieferten Möbel des Mittelalters, wie Betten, Bänke, Truhen als Bestandteile der Wände und fest eingebaute Schrankkasten, sind ihr Werk.
Während in Mittel- und Süddeutschland die Kistler Träger der Entwicklung des Tischlerhandwerks blieben, wuchsen in Norddeutschland die Schnitker (Schnitzler) und Kontor-(Cunthor)macher aus dem Kunstgewerbe hervor. Diese entzogen den Kistlern die feineren Arbeiten, vor allen Dingen die Rahmenkonstruktionen. Neben der zimmermannsmäßigen Arbeit der Kistler tritt also die künstlerische Arbeit der Schnitker und Kontormacher, die in Norddeutschland die Führung an sich rissen. Im 17. Jahrhundert gingen die Kontormacher in den Schnitkern auf, und auch die Kistler sahen sich, der Not gehorchend, gezwungen, in das Amt der Schnitker einzutreten. So war der Zusammenschluss aller Berufszweige der Tischler zum Tischlerhandwerk erfolgt. Die Zimmerleute waren zunächst Zuschauer dieser Entwicklung. Als aber die Tischler in ihr Arbeitsgebiet eingriffen, setzten die Kämpfe um die Zuständigkeit der Arbeit ein. Die vielen Streitfälle gaben Veranlassung, Abgrenzung der Arbeitsgebiete vorzunehmen. So waren zunächst die Handwerksgeräte (Hobel und Leimtopf) äußere Zeichen der Spaltung der Tischler von den Zimmerleuten. Als später der wachsende Wohlstand statt der bis jetzt unbeweglichen beweglichen Möbel verlangte, war das Kennzeichen aller Zimmermannsarbeiten die Unbeweglichkeit, die Verbindung mit Festem, also alle Arbeiten, die den Hausbau unmittelbar betrafen. Ferner gehörte dazu, was mit der Wand fest verbunden war, z.B. Bänke, Verschläge, Türen, Fenster, Fensterläden, Treppen, Geländer usw. Weiter wurde bestimmt, dass die Zimmerleute keine Werkstatt im Hause besitzen durften. Ihre Arbeiten mussten sie auf dem Bauplatze verrichten. Später nahmen die Tischler den Zimmerleuten aber doch die Herstellung der Türen, Fenster, Treppen usw. ab. Es bildete sich der Bautischler heraus. Das Zimmerhandwerk musste sich mit konstruktiven Fachwerkbau, den Dachkonstruktionen und den groben Arbeiten begnügen. Aus dieser Tradition heraus entwickelte sich die Tischlerei Ernst und in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts erbaute Friedrich Ernst das heutige Anwesen an der Unnaer Straße 75. Im Jahre 1901 erwarb Karl Ernst altersbedingt das Anwesen seines Onkels und übte dort den Beruf des Stellmachers aus. Seine erste Rechnung über den Bau einer Schubkarre für genau 6,00 DM schrieb er am 01. Juli 1901. Als sein Sohn Karl Wilhelm Ernst 1953 den Betrieb übernahm führte er zusätzlich zur Stellmacherei auch noch Arbeiten der Tischlerei aus. Ab 1973 übernahm Karl-Heinz Ernst den Betrieb seines Vaters als Tischlerei und übergab 1997 seinem Sohn Matthias Ernst in vierter Generation den Betrieb. Matthias Ernst führt den fast 120 jährigen Familienbetrieb heute als Bau- und Möbeltischlerei weiter. Heute hat der Betrieb acht Beschäftigte und ist anerkannter Ausbildungsbetrieb für das Tischlerhandwerk.

Strickherdicke1945

In den letzten Kriegstagen erlangte der Bismarckturm und das Gelände drum herum noch einmal eine größere Bedeutung. Hatten bislang Ausflügler die gute Aussicht auf das östliche Ruhrgebiet und die münsterländische Bucht genossen, so wurde der Turm nun von der Wehrmacht als Beobachtungspunkt gegen feindliche Operationen genutzt. Auf dem Gelände der Kirchspielschützen nebenan baute der Kreis Unna einen Bunker, der bei Alarm von der Kreisleitung genutzt wurde. Dieser Bunker durfte aber auch von Privatpersonen genutzt werden. Hinter dem Bauernhof Klusenwirth (500m westlich) errichtete die Wehrmacht eine Scheinfabrik, die durch eine Flakstellung und einen dazugehörigen Bunker gesichert wurde. Beide Bunker kann man auch heute noch sehen, aber nicht mehr besichtigen. Im April 1945 wurden aus dem Raum Balve / Iserlohn Tigerpanzer auf die Wilhelmshöhe verlegt, um die Alliierten bei der Schlacht um den Ruhrkessel aufzuhalten. Das gelang nur bedingt. Zwar konnten die Tiger die vorrückenden Truppen dank ihrer großen Schussweite aufhalten, aber nur kurz, dann brachen amerikanische Flugzeuge den Widerstand und das Bombardement brachte Tod und Verwüstung. Heute dient der Turm wieder friedlichen Zwecken. Aber, wenn man Klassen aus Fröndenberger und Unneraner Schulen die Geschichte und die Bedeutung des Turmes näher bringt, und man die Kinder ein paar Tage später fragt, was sie vom Ausflug zum Bismarckturm behalten haben, so erhält man fast immer folgende Antwort: „Im Bismarckturm gibt es 13 Einschusslöcher.“

Mühle Strickherdicke

Mitte des 19. Jahrhunderts endete mit dem Aufkommen der Dampf- und später der Elektromühlen die Vormachtstellung der Wassermühlen an der Ruhr. Es entstanden nach und nach in der näheren Umgebung zahlreiche Dampfmühlen, so um 1850 die Mühle von Schulze Dellwig in Langschede (später Hennemann), und so um die gleiche Zeit die Dampfmühle von Heinrich Dellwig in Strickherdicke (Litho).

1919 wurde diese Mühle an Theodor Weissenberg aus Unna verkauft. Eine Wohnung hatte die Mühle ursprünglich nicht. Man wohnte gegenüber im Haus Hölscher. Hier lernte der aus Hessen stammende Karl Zarges Martha Weissenberg kennen und lieben. Man heiratete und Karl Zarges „schulte um“ und wurde Müller.

So um 1950 erhielt die Mühle durch Anbau und Aufstockung die heutige Form. Als sich das „Müllern“ nicht mehr lohnte, verkaufte man Kohlen und Tierfutter, Karl Heinz Zarges auch gerne Ölscheich von Strickherdicke“ genannt – gründete später den Heizölhandel. Heute führt seine Tochter Juliane mit ihrem Mann den Betrieb fort.