Spotttuch

In der Heimatstube Fröndenberg existiert ein Exponat von hohem historischen und kulturellem Wert aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das sogenannte Spottuch oder Fehdetuch aus dem Hause Schoppe
Dieses Tuch ist leider relativ unbekannt, selbst bei Wikipedia findet man bislang keinen Eintrag. Das Tuch hing jahrelang im Haus Schoppe, kam 1999 nach dem Tod der letzten Besitzerin, Caroline Schoppe, in den Besitz des damaligen Ortsheimat­ pflegers Uwe Thomas, der es schließlich als Leihgabe der Heimatstube Fröndenberg überließ. Als eines der wenigen Exponate aus dem hiesigen Raum war es ein Jahr lang Ausstellungsstück in der großen Westfalenausstellung. Nach der Ausstellung sollte es aber erst einmal aufwendig restauriert werden. Vor allem die Schäden im oberen Bereich des Tuches, entstanden im Zuge der Möhnekatstrophe, müssen dringend restauriert werden.
Das Tuch stellt in „spöttischer“ Weise den Streit zwischen dem Gutsbesitzer und Amtmann Kaspar Schulze Dellwig und dem Gutsbesitzer Caspar Heinrich Schoppe dar. Beide haben sich gegenseitig mit Prozessen überzogen. Wer angefangen hat, und um was es im Einzelnen ging, ist leider nicht genau überliefert.
Uwe Thomas vermutete auf Grund der Bilder, dass es sich um Grenzstreitigkeiten ge­ handelt haben könnte. Die Kopfweiden wären seiner Meinung nach dafür ein deutli­ ches Indiz. Oder es ging vielleicht um Fischereirechte. Darauf könnte seiner Meinung nach ein Krebs hindeuten. Eine dritte Möglichkeit wäre der Konkurrenzkampf zwi­ schen zwei Mühlenbesitzern. Schulze – Dellwig hatte in unmittelbarer Nähe zur Wassermühle von Schoppe und zum Kornmarkt Langschede eine Dampfmühle er­ richtet, durch die Schoppe letztlich zur Aufgabe seiner Mühle gezwungen wurde. Darauf deutet ein „Bauplan“ auf einem Bild hin.
Jedenfalls zog Schoppe gerichtlich gesehen meistens den Kürzeren und rächte sich in Form des „Fehde-Tuchs“, das seinen Kontrahenten in verschiedenen Szenen als feis­ ten „Bürgermeister“ mit einem großen Fuchsschwanz darstellt und lächerlich macht. Umtriebig tritt der in verschiedenen Szenen auf, macht offensichtlich seinen Mit­ bürgern dabei das Leben schwer und sich selbst wahrscheinlich reicher. Den genauen Hintergrund der meisten Bilder kennt man wie gesagt nicht. Der Künstler, der dieses Tuch gemacht hat, hat sich jedenfalls große Mühe gegeben, vieles anzudeuten und trotzdem vermieden zu deutlich zu werden.
Relativ deutlich bringt C. H. Schoppe aber seinen Protest zum Ausdruck und zwar mit der bildlichen Darstellung des „Götz-Zitates“ in seiner Haustür.

Gemeinderat 1964

Kessebürener könnten heute Fröndenberger sein, Frömern könnte zu Unna gehören. Und statt „Fröndenberg – Dellwig” könnte man heute „Dellwig – Fröndenberg” auf Ortsschildern lesen. Am Ende des Wirtschaftswunders hatte sich nicht nur die Wirtschaftskraft Deutschlands vermehrt, auch die Bevölkerungszahl war angewachsen. In den Gemeinden und Ämtern sah man sich mit einer Flut neuer Aufgaben konfrontiert: Schulen mussten gebaut und die Infrastruktur verbessert werden, der Verwaltungsaufwand wuchs. Kleine Gemeinden konnten diese Aufgaben nicht mehr schultern, schon gar nicht finanziell. Neue Strukturen mussten geschaffen werden, die kommunale Neuordnung wurde erdacht. Analog zum größeren Aufwand sollten die Verwaltungseinheiten größer werden, nach dem Motto „gemeinsam ist man stark.” Kommissionen zogen durch das Land, um zu entscheiden, welche Gemeinden selbstständig bleiben durften und welche wohin „eingemeindet” wurden. An dem Ziel, dass größere Einheiten entstehen sollten, konnten die Bürger und Gemeinden nicht rütteln. Wohl aber die Ziehung der Grenzen beeinflussen, wenn sie schlagkräftige Argumente hatten. So ließen sich mit Kessebüren und Billmerich zwei Dörfer des Amts Fröndenberg nach Unna ausgliedern. Die räumliche Nähe gab den Ausschlag. Auch Frömern hätte sich damals lieber Unna angeschlossen, wohnten doch viele Neufrömeraner vormals in der Kreisstadt. Doch was Kessebüren und Billmerich erlaubt wurde, blieb Frömern versagt: Es wurde Stadtteil Fröndenbergs. Viele Möglichkeiten wurden damals durchdacht und wieder verworfen. Wäre es damals nur nach den Wünschen der einzelnen Gemeinden gegangen, würde Fröndenberg heute wohl nur aus dem Stadtteil Mitte und den Ruhrtalgemeinden in der Palz bestehen. Einen Sonderweg schlugen die heutigen West- Fröndenberger aus Dellwig, Langschede und Ardey ein: Da sie eine kommunale Neugliederung vorhersahen, fusionierten die drei Gemeinden 1965 zu einer Großgemeinde. Als solche, so hofften sie, könnten sie aus der Neuordnung als selbstständige Stadt hervorgehen. Nicht einbezogen wurden Strickherdicke und Altendorf, da der Industriestandort Dellwig – Langschede (Mannesmann) sich nicht mit der schwachen Infrastruktur dieser Dörfer belasten wollte oder konnte. In der Endabrechnung mag dies ein Fehler gewesen sein: Die Großgemeinde war flächenmäßig zu klein, um selbstständig zu werden. Und im Gegensatz zu anderen Kommunen, die eine ähnlich kleine Fläche hatten, aber selbstständige blieben, konnte Langschede – Dellwig – Ardey keinen Stadtkern vorweisen. Der Plan war gescheitert. Nun versuchte man, an Unna angeschlossen zu werden, schließlich ist noch heute die Verkehrsanbindung an die Kreisstadt besser als nach Fröndenberg. Doch Unna wehrte sich dagegen – wie zuvor die neue Großgemeinde Langschede – Dellwig – noch mehr kleine Kommunen aufzunehmen. Also kam nur noch ein Zusammenschluss mit Fröndenberg in Frage. Welche der beiden Orte der Stadt den Namen geben durfte, war schnell klar: 1952 hatte Fröndenberg das Recht erhalten, den Titel „Stadt” zu führen. Auch historisch und an der Einwohnerzahl gemessen, dominierte die Ruhrstadt – und erhielt den Zuschlag.

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Langschede 1908

Die Nöte und Sorgen der vergangenen Generationen waren geprägt von Naturkatastrophen, Krieg, Hunger und Feuersbrünste. Die großen Brände waren es die den Menschen die Existenz und das Leben nahmen. So geschehen am 20. Februar 1709 in Langschede, wo bis auf Schoppen Turm, Langschede vollständig abbrannte. Diesen harten Schicksalsschlag haben die Bewohner bis heute nicht vergessen, und bis in die Neuzeit wurde am 20. Februar der Brand – Bettag abgehalten. Wie damals üblich standen für die Feuerbekämpfung in der ausgedehnten Landwirtschaft sowie den Handwerkstätten für Notfälle stets genügend Leute zur Hilfe bereit. Aus dieser Gemeinschafts – und Nachbarschaftshilfe entwickelte sich zwangsläufig eine „ Bürger – Feuer – Abwehrgemeinschaft“ kurz Bürgerwehr oder Feuerwehr. Im Jahre 1755 erließ Friedrich der Große die „Königliche Preußische publicierte Feuerordnung auf dem platten Lande im Herzogtum Kleve, Fürstentum Meurs und Grafschaft Marck“. Es wurde u.a. bestimmt: beim Neu – und Wiederaufbau mussten die Backöfen in einiger Entfernung vom Wohnhaus errichtet werden. Zwischen Scheune und Wohnhaus mussten Linden gepflanzt werden, um beim Brand den Funkenweg zu bremsen. Die Hilfe beschränkte sich in der Hauptsache auf die Rettung auf Mensch und Vieh. An Gerätschaften für die Brandbekämpfung standen damals geflochtene Lederwassereimer zur Verfügung, die mit Harz und Pech wasserdicht gemacht wurden. Mit den Eimern in langer Kette wurde das Löschwasser zur Bekämpfung einer Feuerbrunst herangebracht.

Ab 1760 gründeten viele Städte eine Feuersozietät. Hier wurde neben diversen Versicherungsangeboten auch festgelegt, dass die Dörfer Feuerspritzen und Feuerbekämpfungsgerät anzuschaffen und zu unterhalten hatten.

Jedes Dorf musste drei Brandmeister wählen und Löschmannschaften aufstellen. Mit der Anschaffung von kostspieligen Feuerspritzen ließen die Dörfer sich jedoch noch Zeit. Langschede konnte eine solche ab dem Jahre 1908 sein Eigen nennen. Da die Spritze mit Pferden bespannt war, konnte sie schneller zu den jeweiligen Brandherden gelangen und gleichzeitig die ersten Wehrleute mitnehmen. Im Frühjahr 1908 trat die Feuerwehr an die Gemeinde mit dem Ersuchen heran, eine Einteilung der hiesigen Pferdebesitzer vorzunehmen, damit für den Brand – oder Übungsfall eine Bespannung vorhanden war. Neben dieser Einteilung mussten auch Dienste, Bekleidung und Unterkunft geregelt werden. So war es nur folgerichtig das am 04. Oktober 1908 die Gründung der „ Freiwilligen Feuerwehr Langschede“ erfolgte. Schon im Sommer 1908 hatte die Gemeinde ein Gerätehaus mit Steigerturm neben der Post errichtet. Die Freiwillige Feuerwehr bekam dann auch bald die zur Brandbekämpfung erforderliche Ausrüstung und alle Wehrmänner geeignete Uniformen. Die in den ersten Jahren aufgetretenen Kinderkrankheiten waren durch Tatkraft überwunden. Die Wehr stand zu neuen Aufgaben bereit.

Dampfmühle Hennemann 1894

Die Dampfmühle Hennemann wurde 1894 von Heinrich Hennemann an der Langscheder Bahnhofstrasse gegründet. Während des Krieges übernahm sein Sohn Fritz die Leitung der Mühle. Schließlich gab es genügend Bauern zwischen Strickherdicke, Halingen und Altendorf die damals auf den schnellen Erlös ihres Mehls angewiesen waren. Auch dessen Sohn Fritz erhielt 1949, nach erfolgreicher Gesellenprüfung, den Müllermeister von der Handwerkskammer in Dortmund. Was waren das für Zeiten, als die Bauern vornehmlich Roggen und Weizen anlieferten, um mit dem „weißen Gold“ den Lebensunterhalt zu sichern. Die Bauern kamen soeben über die Runden, einen Teil des Mehls verbrauchten sie für den Eigenbedarf und der Rest wurde verkauft. Doch auch die Müllerarbeit war oft harte Knochenarbeit. Besonders das Schärfen der Mühlsteine ging im wahrsten Wortsinn unter die Haut. Die Steinsplitter in den Fingerkuppen des Müllermeisters sind immer ein schmerzhaftes Relikt aus jener Zeit. Doch mit dem technischen Fortschritt verblasste auch die Zeit der Kleinmühlen in Opherdicke, Strickherdicke und Langschede. Landhandelsfilialen, Bäcker – Einkaufsgenossenschaften und Großmühlen (Mühle Bremme in Unna) verdrängten die Familienunternehmen. Im Jahre 1958 wurde auch in der Mühle Hennemann die letzte Schicht gefahren. Das Gelände wurde an das Wasserwerk verkauft. Der letzte Müllermeister Fritz Hennemann zog 1960 nach Dellwig und handelte wie schon in der Mühle, mit Kohlen und Briketts. Mit „ schwarzen Gold“ ging es neue Zukunft.

Sonnenbergschule in Langschede 1958

Durch den fortwährenden Zuzug von jungen Familien und dem Bau der Thyssensiedlung, wurde der Ruf nach einer modernen Schule im größer. So beschloss der Langscheder Gemeinderat Mitte der 50er Jahre einen Schulneubau als Ersatz der 1899 gebauten Schule an der Hauptstraße. Dem Baubeginn im Jahre 1956 schloss sich der Erstbezug der Schüler im Jahre 1958 an. Die Sonnenbergschule ist heute eine von drei Grundschulen der Stadt Fröndenberg. Sie wurde 1971/72 als Gemeinschaftsgrundschule Ardey/Langschede gegründet. Ihr Einzugsgebiet umfasst die Wohngebiete der beiden Fröndenberger Stadtteile Ardey und Langschede und seit dem Schuljahr 2014/15 ist auch der Stadtteil Dellwig hinzugekommen.

Die Sonnenbergschule liegt mitten in ihrem Schulbezirk – ein Vorteil, der vor allem dem Zusammengehörigkeitsgefühl von Eltern, Kindern und Lehrerinnen und Lehrern zugutekommt. Die Sonnenbergschule hat zurzeit 120 Schülerinnen und Schüler in jahrgangsgebundenen Klassen – die Jahrgänge sind entweder ein- oder zweizügig.

Kanu Slalom auf der Ruhr 1961

Am 10. Juli 1961 fand auf der Ruhr in Langschede der große Kanu – Slalom statt. Alles was in Nordrhein – Westfalen im Kanusport Rang und Namen hatte, war für diese Veranstaltung gemeldet. Das damalige Elite – Aufgebot wurde angeführt von der Dortmunder Weltmeisterin im Faltboot – Einer, Hilde Urbaniak, und der weltbesten Wildwasserfahrerin Inge Waltemathe aus Lippstadt; weitere Erfolgskanuten waren die Deutschen Meister im Canadier – Zweier, Longerich/ Hauschild aus Leverkusen und die Deutschen Jugendmannschaftsmeister im Faltboot – Einer, die Gebrüder Dietmar und Eckhardt Weist mit Rolf Cramer vom starken KV Schwerte. Es waren klangvolle Namen unter den 40 Vereinen die sich unterhalb der Mannesmann Turbinen, an den Start gingen. Vom WS Aachen über FS98 Dortmund und WSV Rheintreue Düsseldorf bis zum KV Schwerte, hatte der heimische Ausrichter KSV Langschede einen schweren Stand im Konzert der Großen. Auf der 200 Meter langen Strecke mussten 20 Slalomtore, darunter drei Rückwärtstore, durchfahren werden. Der KSV Langschede mit seinem 1. Vorsitzenden Hans Voss, war eine Abteilung des Kanu und Ski Klub Unna, der seine Boote im alten Feuerwehrgerätehaus in Langschede eingelagert hatte. Nachdem die Gemeinde den Abbruch des Feuerwehrgerätehauses beschlossen hatte, mussten sich die aktiven wie Uwe Thomas, ein neues Klubheim suchen. Heute haben sich in Langschede der Kanu Verein Holzwickede und der Kanu Klub Unna an der Ruhr zwei Bootshäuser errichtet und betreiben neben dem Slalom – auch den Wanderkanusport.

SV Langschede 1911

In den ersten Vorfrühlingstagen des Jahres 1911 wurde der Sportverein Langschede 1911 e.V. gegründet. 12 sportliebende junge Männer unternahmen dieses für den kleinen Ort und die damalige Zeit großes Wagnis. Es waren: G. Bothe, G. Grzelle, H. Herling, H. Fröhlich, E. Siepe, C. Göbel, H. Göbel, H. Sander, C. Fergen, C. Bothe, Fr. Julius und W. Meinertzhagen. Die Langscheder Gemeindeväter von 1911 hatten keine frohe Meinung vom Fußballspiel, sie wollten “keine halbnackten Narren auf dem grünen Rasen umher hüpfen sehen”. Darum war auch in der Gemeinde kein Sportplatz zu haben. Bauer Wiemann aus Halingen stellte schließlich nach langen langwierigen Verhandlungen ein geeignetes Gelände zur Verfügung. Es lag in der Nähe des Krähenwaldes, war eine Kuhweide und kostete 60 DM Jahrespacht. Der Langscheder Sport begann also “im Ausland” jenseits der Ruhr. Nach wenigen Trainingsstunden schon wurden die ersten Wettspiele durchgeführt. Die Mannschaftsaufstellung: K. Göbel, Fr Julius, H. Göbel, K. Fergen, K. Halloh, E. Siepe, W. Wernecke, H. Fröhlich, W. Meinertzhagen, G. Bothe, H. Sander.

Karl Göbel war erster Spielführer. Er brachte von Schalke das “gepflegte” Fußballspiel mit. Er hatte in den Jugendmannschaften vom FC Schalke 04 schon den runden Lederball gestoßen. Die ersten Gegner für die junge Mannschaft waren: Menden 1910, Fröndenberg 09, Union Schwerte 06, FC Hennnen, und FC Grüne. Natürlich fuhr man damals nicht mit dem Autobus zu den Rückspielen; nein, frisch, fromm, fröhlich, frei gings über die Landstraßen, den zum Teil sehr entfernten Orten zu Fuß. Fröhliche Marschlieder erklangen aus jugendlichen Kehlen, besonders die beiden Lieder “Spieler auf zum Streite” und “Im Herbst, wenn´s Wetter kühl, dann geht´s zum Fußballspiel.
In allen Spielen zeigte die Mannschaft, dass man mit ihr rechnen musste. Das noch vorhandene Kassenbuch weist uns, dass schon sehr bald nach der Gründung neue Mitglieder in den Verein eintraten. Der Vorstand wurde so klein wie eben möglich gehalten; er bestand aus dem Vorsitzenden Fr. Plümer, dem Schriftführer W. Meinertzhagen und dem Kassierer Fr. Julius. Das Vereinslokal war bei Meinertzhagen (Hageböck).
Nach drei Jahren brachte der 1. Weltkrieg den Verein zum Ruhen. Nach und nach wurden die Spieler zum Wehrdienst eingezogen: H. Fröhlich, F. Fergen, W. Fergen und G. Sander wurden Opfer des Krieges. Im Frühjahr 1919 wurde dann der Spielbetrieb mit einer Mannschaft wieder aufgenommen. Eine leidige Geschichte war in all den Jahren die Spielplatz-Frage. Man rückte aber allmählich näher an Langschede heran. Vom Krähenwald ging es zu einem Platz im Schatten des Schloßes Dahlhausen, dann zur Kantine zwischen Halingen und Langschede, von dort zu einer Weide am südlichen Ruhrufer, die Gastwirt und Bauer Bernhard Küster zur Verfügung stellte.

Jetzt zeigte es sich, dass jugendlicher Sportsgeist und Elan über veraltete Ansichten den Sieg davon getragen hatten. Einer der pünktlichsten Zuschauer war das Oberhaupt der Gemeinde, der Ortsvorsteher von Langschede. Da er nicht besonders gut zu Fuß war, brachte er sich sogar einen Klappstuhl mit zum Sportplatz und sparte nicht mit seinem Beifall. Ein anderer Zuschauer darf nicht unerwähnt bleiben: Hermann Bilau. Er ist wohl der treueste Zuschauer, und seine Treue wird wohl nie zu überbieten sein. Er scheute nicht Regen und Schnee, keine Autobusfahrt war ihm zu lang. Wo Langschede spielte, war er dabei. Noch mit 90 Jahren kam er von seinem Wohnort Unna, um seinen Verein spielen zu sehen. Wehe wenn ein Schiedsrichter die Langscheder Mannschaft benachteiligte, dann “haute Hermann auf die Pauke” und drohte mit dem Krückstock. Nachdem der Sportverein Langschede in der 4. Klasse mit Vereinen wie Hennen, Kalthoff, Ergate und Geisecke die Meisterschaft errungen hatte, spielte er in der B-Klasse gegen Kirbel, Hüsten 09, Wickede, Iserlohn 05, Alemannia Schwerte, Hemer 08, Dröscher, Alemania Menden und FC Fröndenberg 09. Vor dem 1. Weltkrieg gab es hin und wieder kuriose Spielergebnisse, wie sie heute wohl nicht mehr möglich sind: Die Fröndenberger Mannschaft wurde in Langschede 10:1 geschlagen, aber die Fröndenberger revanchierten sich am folgenden Sonntag in Fröndenberg mit 11:1 Toren. Das Fazit aus beiden Spielen: 12:11 für den FC 09. In den über 100 Jahren seines Bestehens standen zehnVorsitzende an der Spitze des Vereins: Fr. Plümer, Fr. Julius, Albert Müller, K. Berkenhoff, Rudi Hölmer, Fritz Stricker, Erwin Lütkefent, Friedhelm Breitfeld, Klaus Stindt, Andreas Heyn, Marcus Gerke.

Leider ist das Protokollbuch des Vereins in den Kriegswirren verlorengegangen. Aber das Kassenbuch für die Jahre 1911, 1912 und 1913 ist noch vorhanden. Einige interessante Einzelheiten kann man ihm entnehmen: Am 8. März 1911 bildeten 11 Spieler und 1 Ersatzmann die 1. Mannschaft und den Verein, am Ende des Jahres waren es 23 Mitglieder. Im Jahre 1912 kamen 12 und 1913 bis Juni fünf Mitglieder hinzu. Das Eintrittsgeld betrug für die Gründer 1 DM, für später Eintretende 1,50 DM. Die Beiträge wurden auf 0,30 DM monatlich festgesetzt. Unentschuldigtes Fehlen beim Training oder Wettspiel kostete 0,10 bis 0,30 DM. Den ersten Ball erwarb man für 12,50 DM. Im Mai 1911 wurde eine neue Blase für 2,45 DM gekauft. Am 25. Juli 1911 kostete ein neuer Ball 13,00 DM. Die Abrechnung für 1911 sieht so aus: Einnahmen: 157,20 DM, Ausgaben: 128,55 DM, Bestand: 28,65 DM.

 

Am 5. Februar 1912 lieferte H. Schimmel einen Schrank für 11,50 DM. H. Sander übernahm den Anstrich für 1 DM. Im Oktober 1912 bekam der Schiedsrichter Lübbert 2 DM (Kilometergeld und Spesen). Das Jahr 1912 schließt ab mit einer Einnahme von 303,40 DM, einer Ausgabe von 249,60 DM und einem Kassenbestand von 53,80 DM. Also auch damals schon hatten die Etats steigende Tendenz. Im Februar 1913 fand im Botheschen Saal ein Kränzchen statt (Karneval?). Einer Einnahme von 33,45 DM stand eine Ausgabe von 43,40 DM gegenüber. Ob der Kassierer bei der Ausgabe von Biermarken die Übersicht verloren hatte? Er hat dann eine Sammlung durchgeführt und dabei 5,65 DM eingenommen. Aber auch damit war das Defizit nicht gedeckt. Die Kassierer haben damals schon ihre Sorgen gehabt. Zum Verein gehören jetzt 160 Mitglieder. Es spielen 1. und 2. Mannschaft, 1A- und 1B-Jugendmannschaft. Für jede Mannschaft sind 15 Spieler gemeldet. Nach dem Wiederbeginn des Spielbetriebes nach dem 2. Weltkrieg spielte die 1. Mannschaft in der 2. Kreisklasse. Mit der Meisterschaft 1951/52 kam der Aufstieg zur 1. Kreisklasse. In dieser Klasse wurde die Meisterschaft 1954/55 errungen. Die Mannschaft spielte zwei Jahre in der Bezirksklasse und seit 1957/58 wieder in der 1. Kreisklasse. 1962 gelang der 1. Mannschaft der Aufstieg in die Bezirksliga. Das letzte Spiel war entscheidend, Holzwickede musste in Langschede gewinnen, um Meister zu werden. Vor einer großen Zuschauerkulisse – allein 400 kamen aus Holzwickede – gelang unserer Mannschaft in einem äußerst spannenden Spiel das 0:0 zu halten. Drei Jahre spielte der SVL in der Bezirksklasse. Mit oft sehr alten und wenigen Autos musste bis Lippstadt, Erwitte und sogar nach Oelde gereist werden. Von 1964 bis 1965 wurde die Ruhrkampfbahn vom Rasen- zum Aschenplatz umgebaut. Lange musste der Vorstand kämpfen, um den Standort zu erhalten. Die vorgesehene Verlegung nach Dellwig, zum Kasberg, wäre bestimmt kein Vorteil gewesen. Von 1964 an spielte der SVL in der 1. und 2. Kreisklasse. Ende der 80er Jahre stieg die 1. Mannschaft letztmalig in die Kreisliga B ab und der Wiederaufstieg in die Kreisliga A gelang erst in er Saison 1996/1997. 2003 dann der Aufstieg in die Bezirksliga.

Seit 1981 verfügt die Ruhrkampfbahn über eine Flutlichtanlage, die Meisterschaftsspiele zulässt. Der 30.10.1982 stellte einen weiteren Höhepunkt in der Vereinsgeschichte dar. Bei großer Beteiligung der Bevölkerung, des gesamten Vereines, des Fußballkreises Unna/Hamm sowie den Spitzen der Stadt Fröndenberg wurde dem SVL das neue Vereinsheim, direkt auf der Sportanlage an der Ruhr, übergeben. Zu Beginn der Spielzeit 1982/1983 spielte der SVL im Kreispokal gegen den deutschen Amateur-Vizemeister und Oberligisten SC Eintracht Hamm. Vor ca. 500 Zuschauern verlor die Mannschaft nach gutem Spiel 0:3.

 

Im Jahre 2008 wurde die Ruhrkampbahn wieder grün. Der Ascheplatz musste nach über 40 Jahren einem neuen, modernen Kunstrasenplatz weichen.

Als das Wasser kam 1943

17. Mai 1943 das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: „Schwache britische Fliegerkräfte drangen in der vergangenen Nacht in das Reichsgebiet ein und warfen über einigen Orten eine geringe Zahl von Sprengbomben. Dabei wurden zwei Talsperren beschädigt und durch den eintretenden Wassersturz schwere Verluste unter der Zivilbevölkerung hervorgerufen. Acht der angreifenden Flugzeuge wurden abgeschossen, neun weitere feindliche Flugzeuge über den besetzten Westgebieten vernichtet, darunter eins durch Truppen des Heeres“.

Ein in den Kriegsjahren fast alltäglicher OKW Bericht. Doch gingen diesem Angriff eine umfassende Vorbereitung auf Seiten der Royal Air Force voraus. Die Squadron 617 der RAF und deren Flugzeugführer mit ihren 18 Lancaster – Maschinen, warfen zu Übungszwecken in wenigen Wochen 2500 Bomben aus 46 m und später aus 18 m ab. Ziel war es deutsche Talsperren zu zerstören, sie waren in den Augen der RAF der Strom und Wasserversorger für das gesamte Ruhrgebiet. Die Lahmlegung und Zerstörung der Sperre musste also einen vernichtenden Schlag gegen die deutsche Waffenschmiede im Ruhrgebiet gleichkommen. Die Bombenangriffe auf Sorpe, Eder – und Möhnetalsperre waren erfolgreich, doch es wurden dadurch nicht die erhofften wirtschaftlichen Schäden verursacht, sondern nur Tod und Leid für die Zivilbevölkerung. Neben der Zerstörung von Wohn- und Industrieanlagen entlang der Ruhr, wurden im Amtsgebiet Fröndenberg und Dellwig insgesamt 302 Leichen angeschwemmt. Darunter waren 48 Kinder und 24 Ausländer. Neben dem Gebäude der Fröndenberger Kläranlagen, befanden sich zwei Baracken, eine belegt mit Arbeitern aus Rußland, die andere mit französischen Zivilarbeitern. Erstere wurde gegen 3 Uhr in der Nacht, beim jähen Aufprall der Fluten fortgerissen und viele der Bewohner starben den kalten Tod.

Nach dem Bericht des Gemeindebürgermeisters Dr. Hager hat her Dr. Thomas, Arzt, um 00.45 Uhr einen Anruf bekommen, es wäre ein Unglück geschehen. Dieser Warnanruf ist von einer Polizeidienststelle in Arnsberg erfolgt mit der Bitte, den leitenden Beamten der Post in Langschede in Kenntnis zu setzen, was auch geschehen ist. Von der Art des Unglücks ist nichts durchgesagt worden. Der Eintritt des Hochwassers erfolgte um 3.15 Uhr. Der Höchststand wurde um 3.45 Uhr erreicht. Derselbe dauerte etwa eine halbe Stunde und um 8.00 Uhr konnten die Straßen wieder begangen werden. Allein in Langschede waren von der Flut 336 Einwohner aus 90 Haushalten betroffen. Unmittelbar mit fallenden Pegelständen, setzten unter Hinzuziehung auswärtiger Hilfstruppen die Aufräumarbeiten ein. In den ersten Tagen wurde für die Betroffenen eine Gemeinschaftsverpflegung organisiert und die Schäden aufgenommen.

Wenige Tage nach der Flut war der Möhnedamm eine riesige Baustelle. Rund 4000 Männer der Organisation Todt waren vom Atlantikwall abgezogen und hier eingesetzt worden, darunter Spezialisten aus Italien und Kärnten, die im Umgang mit schweren Bruchsteinen erfahren waren. Nach Vorbereitungsarbeiten wurde Anfang Juli 1943 mit dem Wiederaufbau der 35 m hohen Mauer begonnen.

Von der Mühle zur Schmiede 1891

Eine Brücke über die Ruhr, eine Mühle und ein Kornmarkt – dies kennzeichnete Jahrhundertelang den Ort Langschede. Die Ruhr trennte hier die alte Grafschaft Mark vom kurkölnischen Westfalen. Von der ersten Erwähnung um 1250 bis zum großen Brand 1709 ging das Leben seinen gewohnten Gang. Langschede, zwischen den Regionen Sauerland und Hellweg gelegen hatte 1777 nur 137 Einwohner, darunter zwei Schmiede, fünf Schuhmacher, vier Zimmerleute, zehn Tagelöhner, drei Marktbeamte, einen Kaufmann, einen Wirt und nur einen Bauern. Aus alten Tagen hatte auch die Wassermühle als größte Bannmühle mit 3630 Mahlgenossen, in der Grafschaft Mark überregionale Bedeutung. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Betrieb wurde sie Ausgangspunkt des Werkes Langschede der Thyssen Umformtechnik. Als Vorboten der Industrialisierung waren im Fröndenberger Raum im 19.Jh. Kettenschmieden in Betrieb, eine von ihnen auf dem Gelände des späteren Thyssen Werks. Der Bau der Ruhrtaleisenbahn von Arnsberg nach Schwerte gab Langschede 1870 eine neue günstige Verkehrsanbindung. Sowohl die günstigen Verkehrswege als auch die Wasserkraft werden den Ingenieur Ernst Hartmann bewogen haben, das Mühlengelände mit Staurecht zu erwerben. Sein Antrag vom Juni 1890 beinhaltet den Bau einer 165 PS starken Combinationsturbine, die gleich hinter dem vorgefundenen Wasserrechen eingebaut wurde. Sie muss neben der Mühle auch das Walzwerk mit Betriebskraft versehen. Zwei Blechstraßen sollen in Gang gebracht werden können. Das Walzwerk wird mit einem Schweißofen, vier Glutöfen, zwei Scheren und einer Rauchesse ausgestattet. Das war das Startsignal zu einem Werk, dessen spätere Größe und Bedeutung zu diesem Zeitpunkt noch niemand erahnen konnte. Die Inbetriebnahme der Anlage erfolgte am 20. Oktober 1891 unter dem Firmennamen Hartmann und Wanke. Mit der neuen Turbine wurde mehr elektrische Energie erzeugt als benötigt. So kam es, dass der überschüssige Strom für elektrisches Licht in Langscheder Häuser geleitet wurde. Ein Novum zu der damaligen Zeit. Die Umwandlung in eine AG im Jahre 1899 ermöglichte die Zusammenarbeit mit der Rothenfelder Blechwarenfabrik. Die ungünstigen Produktionsbedingungen in Bad Rothenfelde bedingten schließlich eine Verlagerung nach Langschede. Nach dem 1. Weltkrieg nahm die Firma die Produktion von Fässern auf. Die Folge des Krieges mit Rohstoffmangel, Rezession und Inflation gingen auch am Werk Langschede nicht spurlos vorüber. Im Jahre 1923 wurde das Langscheder Walzwerk und Verzinkerei AG durch die Wolf Netter und Jacobi AG gekauft. Das Walzwerk wurde 1925 stillgelegt und in erster Linie Eiserne Fässer und Trommeln hergestellt. Dazu kamen noch Blecharbeiten und Eisenkonstruktionen aller Art. Im Jahre 1938 schließlich wurden die Werke von den Mannesmann Röhrenwerke übernommen. Im Juli 1939 hatte Werk 1 eine Fläche von 6400 m/2 und Werk 2 ca. 6900 m/2. Nach Beendigung des 2. Weltkriegs wurde unter Beibehaltung einer gedrosselten Fertigung der bisherigen Artikel die Fabrikation landwirtschaftlicher Geräte wie Jauchefässer, Futterkippendämpfer, Ackerwalzen und Wannen aufgenommen. In der 50er Jahren wurde das Werk stetig erweitert und Stahlflaschen und Lagertanks gebaut. Ab 1966 wurden auch ISO – NORM Container hergestellt. Die zeitweise fast 1000 Beschäftigten begründeten eigene Siedlungen wie rund um die Sonnenbergschule und entlang der Gartenstraße. Nach Aufgabe des Produktionsstandortes Anfang der 90er Jahre haben sich viele kleine und mittlere Betriebe auf dem ehemaligen Thyssengelände angesiedelt.